Vor Pest und Cholera verschone uns!

Sebastianitafel

Der Ursprung des Aubinger Sebastiani-Gedenktages geht zurück auf das Verlöbnis der Aubinger im Jahre 1854 zum Schutzheiligen gegen Pest und Seuchen, dem hl. Sebastian, dessen Namensfest am 20. Januar gefeiert wird.

Die ganze Gemeinde war damals von Furcht und Angst erfüllt, weil die zu dieser Zeit vielerorts wütende asiatische Cholera auch den Aubinger Pfarrbezirk, zu dem noch die Orte Pasing, Laim, Ober- und Untermenzing, Allach und Langwied gehörten, auf das Schrecklichste heimsuchte. Die meisten Todesopfer im Pfarrbezirk hatte Aubing zu verzeichnen.

In der kurzen Zeit von 78 Tagen raffte die gefürchtete Seuche insgesamt 68 Personen aller Altersstufen hinweg. In den umliegenden Orten starben acht Menschen in Allach, je sieben in Pasing und Untermenzing, drei in Langwied und ein von der tückischen Krankheit Befallener in Obermenzing. Das erste Opfer wurde am 12. August 1854 eine 34jährige Dienstmagd aus Pasing.

Nachdem die vier unmündigen, durch die Pest zu Waisen gewordenen Kinder der Familie Hurtz bei ihrem Vormund, Johann Stephan, untergebracht waren, entschloß man sich, das Schwabenhaus zu einem Spital für Cholerakranke zu machen. Vom 5. bis 13. September wurden sieben Personen, meist Dienstknechte und Mägde dort eingeliefert, die alle der Cholera erlagen.

In dieser großen Not besann man sich auf den hl. Sebastian und die Cholera erlosch am 29. Oktober 1854 im ganzen Pfarrbezirk. Seitdem wird der Sebastianitag im Gedenken an jene schreckliche Seuche begangen. (Helga Mayr; aus: Wanderungen zwischen Tag und Jahr, Aubing und seine Menschen; 1984)

Zur Geschichte des Sebastianitages und anderer "verlobter" Tage in Aubing

Der Sebastiani-Jahrtag

Der Sebastiani-Jahrtag ist der 1. Festtag im Jahr für die kirchliche Gemeinde St. Quirin, an dem sich die Gemeinde nach dem feierlichen Gottesdienst zu einem gemütlichen Frühschoppen im Pfarrsaal trifft. Sollte der 20. Januar kein Sonntag sein, so wird der Namenstag des hl. Sebastian am darauf folgenden Sonntag gefeiert.

Die Aubinger feiern diesen Namenstag besonders auf Grund eines Gelübdes aus dem Jahr 1854: Sie riefen den hl. Sebastian an, die Gemeinde von der grausamen Seuche zu befreien. Seither wird dem hl. Sebastian für die Rettung aus der Not mit einem feierlichen Amt gedankt und der 20. Januar wurde damals zu einem »Aubinger-Feiertag«.

Der Gang zum Hochamt, so erzählen einige ältere Aubinger, überliefert von ihren Vätern, war strenge Pflicht. Ebenso war es strenger Brauch an diesem Tag nicht zu arbeiten.

Der Sebastiani-Jahrtag drohte nach der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts in Vergessenheit zu geraten, beeinflußt durch die NS-Zeit sowie durch die Eingemeindung in die Stadt München im Jahre 1942. Die Gemeinde hatte nämlich bis dahin das Hochamt am Sebastiani-Tag bestellt und bezahlt.

Über etliche Jahre übernahmen deshalb einzelne Aubinger Bauern das »Anschaffen« des Hochamts am Sebastiani-Tag, um diesen Tag, zumindest was das Kirchliche anbelangte, nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen.

Später besannen sich die gesamten Aubinger Landwirte auf ihre Tradition und den »Aubinger-Feiertag«. Die Interessengemeinschaft der Landwirte übernahm das »Anschaffen« des Hochamts, legte die jährliche Mitgliederversammlung auf den 20. Januar und sorgte wieder für ein »Sebastianitag-Bewußtsein« bei den Bauern am Ort.

1980, zum Anfang des Jubiläumsjahres von St.Quirin, erlebte der Sebastianijahrtag seine Renaissance. Herrn Pfarrer Brem mit seinen Mitarbeitern gelang es, diesen traditionsreichen Festtag wieder voll in die kirchliche Gemeinde einzubauen und erneut zu einem »Aubinger-Feiertag« werden zu lassen. (Sebastian Pfundstein aus: Wanderungen zwischen Tag und Jahr, Aubing und seine Menschen; 1984)

Der Tag der heiligen Fabian und Sebastian war schon in der Barockzeit ein Aubinger Feiertag.

Titelblatt der Pfarrbeschreibung von Pfarrer Ziegler aus dem Jahr 1719

In der Beschreibung der Pfarrei Aubing von Pfarrer Andreas Ziegler aus dem Jahr 1719 findet sich unter anderem eine Aufstellung über die so genannten „verlobten Feiertage“ in der Pfarrei St. Quirin.

Dies sind Feiertage, die sich die Gemeinde selbst (oft durch ein Gelübde) gab und an denen die bäuerliche Bevölkerung vor allem um Abwendung von Naturkatastrophen, ansteckenden Krankheiten, Kriegsgefahr oder Viehseuchen betete. Besondere Gottesdienste, Wallfahrten, Bitt- und Kreuzgänge bildeten den Mittelpunkt des Tages. An diesen Tagen war es verpönt, Arbeiten im Freien zu verrichten, man erledigte nur die allernötigste Arbeiten (z.B. die Versorgung des Viehs).

Im Bild ein Ausschnitt aus der Pfarrbeschreibung von 1719 über ein Verlöbnis zu den Heiligen Sebastian und Fabian. Es heißt in diesem Text:

"Der Tag der Heÿl. Sebastian undt Fabian, ist ein Verlobter feürtag. Aubing. Undt Schlosscapellen Bluttenburg"Pfarrbeschreibung Ziegler

Übersicht über die „Verlobten Feiertage“ der Pfarrei Aubing anno 1719

Dabei sind auch die damaligen Filialkirchen Allach, Blutenburg, Unter- und Obermenzing, Laim, Pasing und Pipping berücksichtigt.

1. Der Tag der heiligen Sebastian und Fabian (20. Januar) ist ein verlobter Feiertag in Aubing und der Schlosskapelle Blutenburg.
Der heilige Sebastian wurde schon immer als großer Patron gegen Pest und Seuchen verehrt.

2. Am Mittwoch in der Osterwoche kommt die "ganze Pfarr „mit dem ersten Creitzgang“ die ganze Pfarrei in Pasing zusammen.

3. An „S. Creitzerfindung“ (Kreuzauffindung - 3. Mai) geht "man aus der ganzen Pfarr mit dem Creitz nach Obermenzing".

4. Am Freitag vor Pfingsten, "den man alhir nennt den Schaur-Frytag“, ist ein verlobter Feiertag. Die Messe wird in Aubing gelesen.
Am Schauer-Freitag wurde besonders um gutes Wetter für die Landwirtschaft gebetet.

5. Am Mittwoch nach Pfingsten "geht man mit dem Creitz nacher Moosach".

6. An St. Veit (15. Juni) "geht man mit dem Creitz aus der ganzen Pfarr nach Laim".
St. Vitus wurde als Patron der Haustiere, für eine gute Saat und Ernte, gegen Tollwut, Blitz und Feuersgefahr verehrt.

7. An St. Johannes und Paulus (26. Juni) "geht die ganze Pfarr mit dem Creitz nacher München zu S. Benno". 
Paulus und Johannes wurden als "Wetterherren" verehrt, da ihr Gedenktag in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Sommersonnenwende liegt. Sie werden gegen Hagel und Blitz und Unwetter angerufen.

8. Am St. Ulrichstag (4. Juli) "ist ein verlobter Feürtag zu Laimb".
In Laim wurde an diesem Tag das Kirchenpatrozinium gefeiert.

9. An St. Anna (26. Juli) ist in " ein verlobter feürtag"
Die Heilige Anna ist auch eine Schutzpatronin gegen Gewitter.

10. An St. Silvester (31. Dezember) ist ein verlobter feürtag in der ganzen pfarr".
Er gilt als Patron der Haustiere (siehe Altarbild des rechten Seitenaltares in St. Quirin), für eine gute Futterernte und für ein gutes neues Jahr.

 

^ Seitenanfang ^