Christus spricht: Alle sollen eins sein. (Joh 17,21)

Das Jahresmotto 2017 geht auf den Vers Joh 17,21 zurück: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“

Bei diesem Einssein, um das Jesus den Vater bittet, geht es jedenfalls nicht um ein Einigsein in ein paar Grundsatzfragen, und es geht auch um viel mehr als um ein Harmoniebedürfnis. Es geht hier um die tiefe innere Verbundenheit zunächst zwischen dem Jünger, also mir, und Jesus und die daraus erwachsende Verbundenheit der Jünger untereinander. Sie ist ein Abbild des Einsseins von Jesus mit dem Vater.

Es geht also um eine tiefe innere Liebesbeziehung. Es geht darum, Jesus zu erkennen, Gott zu erkennen als den uneingeschränkt Liebenden. Und dieses Einssein ist nicht in unser Belieben gestellt. Es ist eine ernste Verpflichtung für alle, die Jesus nachfolgen; denn davon hängt der Glaube der „Welt“, d.h. aller Menschen „draußen“, ab! Müssen wir uns da wundern, dass die Menschen, die „Welt“, sich so schwer tun mit dem Glauben an Christus? Was für ein Zeugnis geben wir Christen denn von Gottes Liebe, von der Einheit zwischen Jesus und dem Vater, von der Sendung Jesu durch den Vater? Der Satz „damit die Welt glaube“ hängt wie eine schwere Anklage über der Christenheit.

Wir haben uns im Pfarrverbandsrat bewusst dieses Motto im Gedenkjahr 2017 gewählt.
Zum einen ist es immer noch eine Herausforderung für unser Zusammenleben in unserer jungen „arrangierten Ehe“ Pfarrverband. Bei aller Verschiedenheit in der Geschichte der Pfarreien, dem „Milieu“ in unseren beiden Stadtteilen, den Charakteren der Mitarbeiter wird uns immer wieder bewusst, dass wir uns um der gemeinsamen Verantwortung willen, die wir für die Pfarrgemeinden und die Außenwelt haben, stets weiter aufeinander einspielen müssen. Die Liebe Christi zu uns und die Liebe Gottes zu allen Menschen können wir nur spiegeln, wenn wir in immer engerer innerer Verbundenheit unseren Glauben leben.
Eine Hilfe können uns dabei viele gemeinsame Glaubenserlebnisse sein wie z.B. die Fronleichnamsprozession oder der monatliche Tipp „Quirin trifft Michael – Michael trifft Quirin“, der zur Begegnung der beiden Pfarreien einlädt.

In diesem ökumenischen Gedenkjahr 2017 aber ist unser Jahresmotto vor allem auch eine ernste Mahnung und zugleich ein Hoffnungszeichen.
Jesu inständiges Abschiedsgebet „alle sollen eins sein“ kann uns in diesem Jahr wirklich nicht kalt lassen. 500 Jahre Trennung der westlichen Christenheit sind ein ernster Anlass zu Besinnung, Gebet und Bemühen. Wir sind dankbar, dass dieses Jahr nicht in Abgrenzung „gefeiert“ wird, sondern dass ein gemeinsames Christusfest möglich ist.

Es wird auf die Herzensbereitschaft aller Christen, auf meine, auf deine, auf unsere ankommen, ob der Heilige Geist, das Band der liebenden Einheit von Vater und Sohn, seine Wirkung in der Christenheit entfalten kann. Der Geist weht, wo er will, und wir sollten uns in aller Offenheit auf sein Wirken einstellen.
Wir müssen keine detaillierten Pläne ausarbeiten, kein fertiges Konzept haben. Der Geist Gottes ist kreativ und wird uns auf den richtigen Weg, zum richtigen Ziel führen, wenn wir uns denn von ihm führen lassen!

Ortrud Richter

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