Das Turmmuseum

Zur Entstehungsgeschichte des Turmmuseums und der Archivgruppe St. Quirin

Eigentlich haben wir das jetzt neu entstandene Museum im Turm unserer ehrwürdigen St. Quirinskirche den alten Aubinger Glocken zu verdanken: der Marienglocke von 1516, der Georgsglocke von 1949 und der Sebastiansglocke von 1955, die heute im Kirchhof steht. Sie waren 1995 in einem äußerst schadhaften Zustand.

Eingedenk der Tatsache, dass um das Jahr 2000 herum das Wahrzeichen Aubings, unser Kirchturm, sein 700-jähriges Jubiläum begehen würde, entschied sich die Kirchenverwaltung, ein Geläute mit fünf Glocken und einen nun zweistöckigen Holzglockenstuhl anzuschaffen.
Bei dieser Gelegenheit sollte auch der Turm innen und außen saniert werden. Mit der Leitung dieser Maßnahme wurde der Aubinger Architekt Rüdiger Zielinski beauftragt, der sie mit großem Engagement meisterte. Dabei war für ihn eine enge Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege selbstverständlich, da es sich bei St. Quirin nicht nur um das älteste Gebäude in Aubing, sondern auch um ein hochkarätiges Denkmal handelt.

Die Räumlichkeiten im Turm befanden sich in einem erbärmlichen Zustand: Durch die vielfach nicht vergitterten Fenster flogen die Tauben ein und aus, bauten im Innern ihre Nester und zogen ihre Jungen auf. Taubendreck, Federn und zentimeterdicker Staub bedeckten Treppen und Podeste. Den Turm zu betreten war normalerweise nur dem Messner erlaubt. Dieser hatte im Erdgeschoss für Leiter, Schlauch, Werkzeuge, Rasenmäher, alte Ziegel und Ähnliches eine Abstellkammer, in die er durch eine Tür links vom südlichen Eingangsportal gelangen konnte. In die oberen Stockwerke zu steigen, empfahl sich nicht, da die Treppen – zum Teil leiterartig steil – und Podeste nicht mehr sicher und tragfähig waren.

Eine Spezialfirma befreite 1997 erst einmal das Turminnere von allem Unrat, und es hätte wohl niemanden negativ berührt, wenn alles in dem bereitstehenden Müllcontainer gelandet wäre. Architekt Zielinski hatte aber ein wachsames Auge auf die Aufräumarbeiten und holte alte Glockenteile, lange, geschmiedete Nägel, eine kaputte Karfreitagsratsche, Teile des alten Uhrwerks und seine Gewichte und vieles mehr aus dem Schutt. Auch zwei kleine Grabplatten entgingen nicht seiner Aufmerksamkeit. Die erste wurde schnell als die des Aubinger Pfarrers Gigl (gest. 1880) erkannt, die zweite bereitete erst einmal Kopfzerbrechen. Zur allgemeinen Überraschung konnte sie später als die Grabplatte des Grafinger Bürgermeisters Jäckhisch von 1634 identifiziert werden. Jäckhisch war der Stiefvater des Aubinger Pfarrers Reiter und hatte im Dreißigjährigen Krieg im Aubinger Pfarrhof Unterschlupf gefunden.
Nach mehreren vergeblichen Anläufen konstituierte sich am 22.11.1997 unter Leitung von Rüdiger Zielinski die Archivgruppe St. Quirin. Zehn Aubinger waren damals bereit, sich in ihrer Freizeit um den Erhalt von Dokumenten und Gegenständen der traditionsreichen Aubinger Pfarrei zu kümmern. Insbesondere war es nötig, die im Keller des Pfarrhauses gelagerten Dokumente und Urkunden, die bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückgehen, zu säubern und nach den Vorgaben des Diözesanarchivs zu ordnen und zu katalogisieren.

Bei dieser Tätigkeit wurde der älteste erhaltene Plan der Kirche vom Jahre 1864 gefunden. Aus diesem Plan konnte man ersehen, dass es früher einen Zugang von der Kirche in den Turm gab, über den man auch auf die damals bestehenden zwei Emporen der Kirche gelangen konnte.
Bei den Sanierungsarbeiten fand man diesen vermauerten Zugang und legte ihn frei, und es entstand die Idee, das Erdgeschoss des Turmes als Kapelle einzurichten. Zu Ostern 2001 konnte die Kirchengemeinde die neue Auferstehungskapelle einweihen. Die Tür vom Südeingang der Kirche in den Turm wurde fest verschlossen, und die tiefe Türnische in der Kapelle zu einer Vitrine umgebaut, in der passend zum Kirchenjahr Pretiosen der Pfarrei gezeigt werden. In der Advents-und Weihnachtszeit bauen Mitglieder der Archivgruppe die nach Vorgaben der Krippenabteilung des Nationalmuseums restaurierte alte Pfarrkrippe auf.
Da die Gesamtwirkung der Kapelle durch eine Treppe in die oberen Geschosse sehr gestört würde, gelangt man heute nur über eine Deckeneinschubtreppe in den Turm.

Aber wohin mit den im Turm gefundenen, inzwischen gereinigten und reparierten Gegenständen?
Sie waren im Pfarrhof zwischengelagert und teilweise 1998 bei der Ausstellung „Die Kirche St. Quirin und der 700 Jahre alte Turm“ der Archivgruppe St. Quirin gezeigt worden. Lag es nicht auf der Hand, sie wieder an ihren Fundort zurück zu bringen und diesen als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
Am 10.9.2001 unterrichtete Herr Zielinski offiziell die Kirchenverwaltung von diesem Beschluss der Archivgruppe und bat um Zustimmung. Doch in den nächsten 10 Jahren warteten andere Aufgaben auf unsere Gruppe.

Mit liebenswürdiger Hartnäckigkeit sorgte Rüdiger Zielinski dafür, dass seit 2012 das Thema „Turmmuseum“ wieder auf der Tagesordnung der Archivgruppe stand.

Das „Innenleben“ des Turmes, das ja bereits 1997/98 von der Fa. Josef Bauer rundum erneuert worden war, wurde von den „Technikern“ der Archivgruppe, Herrn Lahmer und Herrn Zielinski, dahingehend auf Sicherheit überprüft, ob im neuen Museum Besucher ohne Führung bis unter das Glockenpodest im 5. Geschoss steigen könnten.

Erwähnt werden sollen auch noch unsere Sommergäste, die Turmfalken. Ihre Anwesenheit verhindert, dass sich Tauben auf dem Turm niederlassen und alles wieder verschmutzen.

Nun noch ein paar Worte zur finanziellen Seite dieses Museums: Die Kosten für die Elektroarbeiten im Turm, für die Bildschirme, die Bilder, Dokumente und Beschriftungsschilder belaufen sich auf 3000 €. Da die Archivgruppe St. Quirin nur über geringfügige Einnahmemöglichkeiten verfügt, war sie bei der Durchführung ihres Vorhabens auf Spenden und Zuschüsse angewiesen. Den Großteil der Kosten übernahm die Kirchenverwaltung mit mehr als 1500 €, der Bezirksausschuss des 22. Stadtbezirks steuerte 750 € bei, der Förderverein „1000 Jahre Urkunde Aubing“ 500 €. Allen Förderern gilt der herzliche Dank der Archivgruppe St. Quirin. Wir hoffen, den von ihnen in uns gesetzten Erwartungen gerecht geworden zu sein.

Die Mitglieder der Archivgruppe laden nun alle Bewohner, besonders die Neubürger des 22. Stadtbezirks, ein, beim Besuch des Turmes heimatkundliche Kenntnisse aufzufrischen, bzw. erst einmal zu erwerben. Sie werden dabei ein munteres, anschauliches, kein nach wissenschaftlichen Maßstäben eingerichtetes Museum über die Aubinger Geschichte vorfinden.

Alte Aubinger können anhand der gezeigten Filme viele Erinnerungen wieder aufleben lassen. Konnten wir auch keine sensationellen Funde präsentieren, so haben wir doch versucht, das Thema „Der 700 Jahre alte Aubinger Kirchturm und seine Geheimnisse“ besonders auch für Kinder erlebbar zu machen. Das neue Museum im ältesten Bauwerk des ehemaligen Dorfes Aubing wird – so hoffen wir – auch dazu beitragen, dass Neubürger im Stadtteil nicht nur eine Wohn- und Schlafstatt finden, sondern auch ein Stückchen Heimat.

Barbara Sajons, Archivgruppe St. Quirin

 

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